Neue Daten zum Umstieg auf Ozanimod nach Unverträglichkeit von Fingolimod
Bericht:
Felix Schmidtner
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Signoriello et al. 2025 analysierten das Sicherheitsprofil von Ozanimod bei Patient:innen, die zuvor die Therapie mit Fingolimod aufgrund von Nebenwirkungen wie einer Lymphopenie oder erhöhten Leberwerten abbrechen mussten. Darüberhinaus analysierten sie die schubfreie Zeit nach der Umstellung.
Einige Patient:innen vertragen den Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptormodulator (S1PRM) der ersten Generation, Fingolimod, nicht. Fingolimod ähnelt sehr dem körpereigenen Sphingosin-1-Phosphat und moduliert daher unspezifischer die Rezeptoren als neuere Alternativen. In einer aktuellen italienischen Studie von Signoriello et al. 20251 wurde der Verlauf von 60 Patient:innen mit schubförmiger Multipler Sklerose (RRMS) verfolgt, die nach Nebenwirkungen wie Lymphopenie und erhöhten Transaminasewerten von Fingolimod auf Ozanimod wechselten. Kann ein Umstieg auf das neuere Medikament die Adhärenz sichern?
Für die Studie wurden retrospektiv 60 Patient:innen im Alter von 18 bis 60 Jahren rekrutiert. Das Durchschnittsalter lag bei 42 Jahren (• 7,9). 61,6% der Patient:innen waren weiblich. Die Behandlung mit Fingolimod lief im Mittel bereits 5,7 Jahre. 70% wechselten nach einer Lymphopenie, 21,6% nach erhöhten Transaminasewerten auf Ozanimod, 4 Patient:innen aufgrund anderer Nebenwirkungen wie einer ulzerativen Colitis. Die Patient:innen wurden über 18 Monate verfolgt und dabei demografische, biochemische, klinische und Sicherheitsdaten erhoben. Patient:innen mit einer laufenden Schwangerschaft oder Stillperiode wurden ausgeschlossen. Die Zeit zwischen dem Absetzen von Fingolimod und der Initiation von Ozanimod betrug im Median 23 Tage, mit einer Spanne von 1 bis 180 Tagen.
Nach der Umstellung konnte die jährliche Schubrate (ARR) deutlich verringert werden (0,02 [SD=0,15] mit Ozanimod statt 0,26 [SD=0,44] unter Fingolimod; p=0,004). Bildgebend war auch ein Trend in der Reduktion der Läsionen sichtbar, T2- (0,09 [SD=0,29] statt 0,4 [SD=1,3]; nicht signifikant, p=0,21) und GD+-Läsionen (0,03 [SD=0,15] statt 0,12 [SD=0,4], nicht signifkant, p=0,15). 96% der Patient:innen blieben bei der Therapie mit Ozanimod am Ende des Beobachtungszeitraums. Eine Patientin brach die Behandlung wegen einer geplanten Schwangerschaft ab, eine andere wegen klinischer Schübe.
Nach der Umstellung von Fingolimod auf Ozanimod stieg der Lymphozytspiegel bei den Patient:innen mit zuvor diagnostizierter Lymphopenie im Durchschnitt von 0,39 (SD=0,24) auf 0,56 (SD=0,23; p=0,025). Die Leberwerte, erhoben anhand der Blutparameter Alanin-Aminotransferase (AST), Aspartat-Aminotransferase (ALT) und γ-Glutamyl-Transferase (gGT) verbesserten sich ebenfalls (Abb. 1). Bei Patient:innen mit zuvor erhöhten Leberwerten ging der AST-Spiegel von 76,56 auf 46,75 (p=0,01), der ALT-Spiegel von 89,67 auf 53,14 (p=0,01) und der gGT-Spiegel von 124,22 auf 79,75 (p=0,02) zurück. Der Anteil der Patient:innen mit erhöhten Leberwerten sank von 21,6% auf 9,3%.
Abb. 1: Durchschnittsspiegel der Blutparameter AST, ALT und GGT vor und nach dem Umstieg auf Ozanimod bei Patient:innen mit zuvor erhöhten Leberwerten
93% der Patient:innen waren nach der Umstellung frei von Nebenwirkungen. 88,3% waren nach einem Jahr auch frei von Krankheitsaktivität (nach NEDA-3 erhoben). Insgesamt konnte somit bei 83,7% die schubförmige Multiple Sklerose kontrolliert werden, ohne dass Nebenwirkungen auftraten.
Limitationen
Auch wenn es die bisher grösste beobachtete Kohorte war, die für Sicherheitsgründe von Fingolimod auf Ozanimod wechselte, ist die Stichprobe weiterhin klein. Die Studie bestätigt frühere Daten,2 dass Ozanimod eine sichere Alternative bei Unverträglichkeit mit Fingolimod ist. Womöglich wären aber auch die statistischen Unterschiede mit einer grösseren Stichprobe eindeutiger. Zudem ist durch das Studiendesign ein Selection Bias nicht auszuschliessen.
Literatur:
1 Signoriello E et al.: Switch from fingolimod to ozanimod for safety or intolerance reasons. Ther Adv Neurol Disord 2025; 18: 17562864251328191 2 Caliendo D et al.: Switching to ozanimod as a strategy to adjust fingolimod-related lymphopenia. Mult Scler Relat Disord 2024; 81: 105135
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