Ernährungstherapie bei Morbus Crohn
Bericht:
Reno Barth
Medizinjournalist
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Ernährungstherapien spielen im Management der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine zunehmend wichtige Rolle. Bei neudiagnostiziertem, mildem Morbus Crohn können sie sogar als alleinige Initialtherapie versucht werden.
Obwohl eine exakte Definition eines «milden» Morbus Crohn (MC) nicht existiert, stelle sich im klinischen Alltag doch häufig die Frage, ob bestimmte Patient:innen mit einer begrenzten, kleinen Läsion und geringfügig erhöhten Entzündungsmarkern tatsächlich eine aggressive Initialtherapie benötigen, so Prof. Henit Yanai, Leiterin des IBD-Zentrums am Rabin Medical Center der Universität Tel Aviv. Ein indolenter Krankheitsverlauf in den ersten beiden Jahren läge bei rund einem Drittel der neu diagnostizierten MC-Patient:innen vor,1 bei 13,2% der MC-Population bleibt der Krankheitsverlauf laut aktuellen Studiendaten langfristig mild.2 Yanai: «Bei milder Präsentation empfehlen sowohl die europäischen als auch die amerikanischen Guidelines eine Induktionstherapie mit Budesonid, geben jedoch keine Empfehlungen für eine Erhaltungstherapie. Damit öffnet sich ein Fenster für eine Ernährungstherapie für ausgewählte Patient:innen.»
Die European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) publizierte vor einigen Monaten ein Konsensuspapier zur Ernährungstherapie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.3 Diese stelle einen wichtigen Schritt von allgemeinen Ernährungsempfehlungen zu einer gezielten Ernährungstherapie («precision dietary therapy») dar, so Yanai. Der Konsensus definiert auch die Patient:innenpopulationen, für die bestimmte Massnahmen empfohlen werden.
Induktionstherapie: starke Empfehlung für enterale Ernährung
Leider ist die Evidenz begrenzt. In der Indikation Morbus Crohn ist eine starke Empfehlung daher nur für die exklusive enterale Ernährung im Rahmen der Induktion möglich. Yanai wies auf Remissionsraten in der Grössenordnung von 80% beim pädiatrischen MC hin.
Enterale Ernährung ist im Vergleich zu Kortikosteroiden ähnlich wirksam in Bezug auf die klinische Remission und überlegen im Hinblick auf mukosale Heilung. Begrenzte Empfehlungen («can be considered») können für bestimmte Eliminationsdiäten («Crohn’s Disease Exclusion Diet» – CDED; «Tasty and Healthy» – T&H) in Verbindung mit partieller enteraler Ernährung gegeben werden. Vermieden werden bei diesen Diäten beispielsweise hochverarbeitete Lebensmittel, Emulgatoren und bestimmte Fette. T&H habe gegenüber CDED den Vorteil grösserer Flexibilität und damit leichterer Umsetzbarkeit im Alltag, erläuterte Yanai. Auch die mediterrane Diät eignet sich aufgrund ihres günstigen Einflusses auf das Mikrobiom für die Behandlung eines milden MC.4
Yanai wies auf mehrere im Rahmen des ECCO 2026 vorgestellte Arbeiten hin, die für das auf Ernährung, Monitoring und digitalem Support beruhende strukturierte IBMED-Programm günstige Effekte auf Inflammation und Remission beim frühen MC zeigen. Gute Daten gibt es nicht zuletzt für die Kombination von mediterraner Ernährung und Bewegung, die vor schweren Schüben und Kortikosteroidbedarf schützt.5
Studie zu zyklischer exklusiver enteraler Ernährung
Die partielle enterale Ernährung ist mittlerweile eine Standardmethode, die Yanai im klinischen Alltag häufig und mit guten Ergebnissen einsetzt. Die in einer pädiatrischen Population durchgeführte Studie CD-HOPE verglich zyklische exklusive (EEN) mit partieller enteraler Ernährung (PET) in der Erhaltungstherapie bei MC und zeigte die Überlegenheit der zyklischen exklusiven enteralen Ernährung hinsichtlich der Verhinderung von Schüben. Zyklisch bedeutet in diesem Fall, dass die Patient:innen alle acht Wochen für zwei Wochen enteral ernährt wurden.6 Enterale und partielle enterale Ernährung können auch mit Biologika kombiniert werden, so Yanai.
Datenlage bei Colitis ulcerosa
Für Ernährungstherapie bei Colitis ulcerosa ist die Datenlage dünner mit günstigen Signalen für Diäten, die positive Auswirkungen auf Mikrobiom und Darmbarriere zeigen. Für Supplementation ist die Evidenz noch dünner. Für Morbus Crohn gibt es keine Empfehlungen, für die Colitis ulcerosa werden Curcumin und die chinesische Arznei Qing Dai mit schwacher Evidenz empfohlen.
Quelle:
21. Jahreskongress der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO 2026), 18. bis 21. Februar 2026, Stockholm
Literatur:
1Yanai H et al.: Early indolent course of Crohn’s disease in newly diagnosed patients is not rare and possibly predictable. Clin Gastroenterol Hepatol 2021; 19: 1564-72.e5 2 Jacobsen HA et al.: Prevalence and prognosis of mild inflammatory bowel disease: a population-based cohort study, 1997-2020. Clin Gastroenterol Hepatol 2025; 23: 2570-2578.e7 3 Svolos V et al.: European Crohn’s and Colitis Organisation consensus on dietary management of inflammatory bowel disease. J Crohns Colitis 2025; 19: jjaf122 4 Godny L et al.: Mechanistic implications of the mediterranean diet in patients with newly diagnosed Crohn’s disease: multiomic results from a prospective cohort. Gastroenterology 2025; 168: 952-64.e2 5 García-Mateo S et al.: Healthy lifestyle is a protective factor from moderate and severe relapses and steroid use in inflammatory bowel disease: a prospective cohort study. Inflamm Bowel Dis 2025; 31: 95-104 6 Pigneur B et al.: Cyclic exclusive enteral nutrition versus partial enteral nutrition to maintain long-term drug-free remission in paediatric Crohn’s disease (CD-HOPE): an open-label, endpoint-blinded, randomised controlled trial. Lancet Gastroenterol Hepatol 2026; 11: 204-17
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